Tierrettung

Alle, meine Entchen
In den letzten Jahren wurden wir oft von überraschten Balkonbesitzern oder von Wohnungsbesitzern mit Innen- /Hinterhöfen angerufen, wenn sie im Frühjahr voller Tatendrang raus gehen um Ihre Blumenkübel neu zu bepflanzen und dort auf eine brütende Ente oder sogar schon auf eine Ente mit geschlüpften Küken stoßen.
Auch in diesem Jahr haben wieder viele Enten, ihre sicheren Brutplätze auf Balkonen oder in geschlossenen Innenhöfen gefunden. Häufig dort, wo sie auch in den letzten Jahren gebrütet haben. Man könnte sagen, es sind schon alte Bekannte.
Die Enten merken sich die Brutstätten und kommen jedes Jahr wieder denn dort sind sie sicher vor vielen Fressfeinden und können in Ruhe brüten. Doch wenn die Küken geschlüpft sind, stehen sie vor einem großen Problem. Der Weg, den sie normalerweise mit ihren Küken zum Wasser zurücklegen wird für die Küken zur Falle. Die Balkone sind viel zu hoch, die Innenhöfe geschlossen und die Straßen zwischen Brutstätte und dem Gewässer zu gefährlich.
Doch dafür gibt es ja uns und weitere Tierretter, die wie wir darauf spezialisiert sind, Enten mit Ihren Küken zu sichern und dann an ein geeignetes Gewässer zu bringen.

Am Wasser angekommen werden die Tiere freigelassen und sind dann dort, wo ihr natürlicher Lebensraum ist.
Diese Arbeit ist für unsere Mitarbeiter sehr schön und befriedigend, aber auch sehr zeitaufwändig. Manchmal kann eine Entenfamilie ohne Probleme innerhalb kurzer Zeit gesichert werden und manchmal braucht es mehrere Stunden oder sogar mehrere Einsatztage bis eine Familie gesichert werden kann. Wie z. B. eine ganz spezielle Ente in Lindenthal, die jedes Jahr und dieses Jahr sogar 3x auf einer sehr schönen Dachterrasse gebrütet hat. Diese Ente ist extrem vorsichtig und offenbar sehr schlau. Sobald wir kommen, sitzt sie auf den umliegenden Flachdächern und ist nicht mit Setzkescher, Fanggehege oder Cache zu sichern. Bei dieser Ente haben wir bisher immer Michael Becker, den „Entengott“ aus Köln, um Unterstützung gebeten. Mit ihm wurden die Küken eingesammelt, in ein sicheres Gehege auf dem großen Platz vor dem Haus gesetzt und mit Hilfe einer Audioaufnahme der piependen Küken, die über Lautsprecher abgespielt wird, die Ente auf den Platz gelockt.
Wenn die Ente dann vor dem Gehege mit den Küken sitzt bringt sich Michael in Position und schießt das Fangnetz über sie. So war es in den letzten Jahren und auch in dieser Saison konnten wir so Mutter und Küken gemeinsam zum Wasser bringen. Nur bei Ihrer letzten Brut gelang uns das nicht. Trotz aller Bemühungen, stundenlangem Ausharren und Wechsel der Standorte um der Entenmutter näher zu kommen, gelang es uns nicht, sie auf den Boden zu ihren Küken zu locken. Da eine weitere Versorgung der Tiere wegen dem bevorstehenden Urlaub der Wohnungseigentümer, die sich im übrigen immer sehr um die Tiere gekümmert haben, nicht gewährleistet war, mussten wir uns dazu entschließen, die Küken ins Federheim in Neuss zu bringen. Dort wurden sie in eine Gruppe integriert und später, wenn sie flugfähig sind zum Wasser gebracht.
Dieser Fall zeigt noch mal deutlich, was die Arbeit mit Wildtieren heißt. Wir wissen nie, was uns erwartet, wie viel Zeit wir für einen Einsatz benötigen und wie der Einsatz ausgeht. Aber genau das macht unsere Arbeit so einzigartig und wir sind glücklich über jedes Tier, dem wir helfen können.
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Nachdem wir Mitte des Monats noch einmal zu einer Entenfamilie gerufen, wurden und sich die Brut- und Setzzeit dem Ende zuneigt, gehen wir davon aus, dass dieses der letzte Entenfamilieneinsatz für dieses Jahr war und freuen uns darauf, im nächsten Jahr wieder vielen Entenküken beim Start ins Leben zu helfen.
Der Setzkescher, die Einfanggitter und die Cache sind nun bis zum nächsten Frühjahr in die Halle zurückgeräumt worden und wir machen uns auf den Weg, allen anderen verletzten, verweisen, gequälten oder verwahrlosten Tieren zu helfen.